06.12.2017

Wie Wenninger 1984 die Eintracht zur Verzweiflung brachte

Kreisoberliga Frankfurt: 59-jähriger Keeper stellt sich in den Dienst der TSG 51

Holger Wenninger dankt auch seiner Ehefrau, die immer hinter ihm steht und ihm sein Hobby ermöglicht. Foto: Ilona Leitz

Ein 59-jähriger Tormann in der ersten Mannschaft? Diese ungewöhnliche Geschichte liefert der Frankfurter Kreisoberligist TSG 51. Beim Klub von der Niedwiesenstraße hütet der Kult-Keeper Holger Wenninger seit einigen Jahren immer dann das Tor der Eschersheimer, wenn der Verein mal wieder ein Torwartproblem hat. Zeitzeuge Tony Gering erzählt zudem von einem Testspiel 1984 gegen Eintracht Frankfurt, worauf Wenninger ein Angebot der Offenbacher Kickers annahm.

Wenn Holger Wenninger über seine Jugendzeit spricht, dann ist die Rede von den fernen 60er und 70er Jahren. Angefangen hatte er als kleiner Bub als Feldspieler bei der TSG 51, doch dann stellte er sich erstmals zwischen die Pfosten und erweckte im C-Jugendalter sogar Interesse bei Eintracht Frankfurt, wo Wenninger dann hinwechselte. Nach einer Zwischenstation beim damaligen Postsportverein Blau-Gelb gab der Tormann Ende der Siebziger Jahre sein Debüt im Seniorenteam des FV 09 Eschersheim. Im Rahmen eines Jubiläumsspiel zum 75-jährigen Bestehen der Eschersheimer gegen die Bundesliga-Mannschaft von Eintracht Frankfurt bot Wenninger 1984 bis zur 70. Minute eine Klasseleistung und hielt die Partie mit tollen Paraden beim Stande von 1:2 offen. Nach seiner Auswechslung kassierte der Ersatztormann in den restlichen 20 Minuten noch sieben Gegentore. Dieser Auftritt reichte den Spähern der Offenbacher Kickers, um dem Schlussmann ein Angebot zu machen und ihn für die zweite Mannschaft in der damaligen Landesliga zu verpflichten.

"Das war damals nur eine Spielklasse unter der Oberliga Hessen und somit die vierthöchste deutsche Spielklasse", erinnert sich Wenninger. Einmal wäre Wenninger sogar fast in der 2. Bundesliga zum Einsatz gekommen. Tony Gering, der heutige Alterspräsident von Germania Ginnheim, erinnert sich an eine spezielle Anekdote: "Damals spielte auch Oliver Reck beim OFC. Als sich Reck verletzte und auch noch der zweite Tormann ausfiel, wollten die Kickers auf Wenninger zurückgreifen. Er wurde aber seit mehreren Tagen im Training nicht gesehen, weil er wohl mit der Reservistenrolle nicht klar kam. Somit musste der A-Jugend-Torhüter spielen. Sogar die Bild-Zeitung startete eine Fahndung mit der Überschrift: Wo ist Holger Wenninger?". Gering, der selbst jahrzehntelang für Heddernheim und Ginnheim kickte, ist ein Zeitzeuge dieses Jubiläumsspiels in Eschersheim: "Ich habe das Spiel damals gesehen und kenne Holger seit 40 Jahren. Er war ein erstklassiges Torwarttalent".

Balzer reaktivierte Wenninger

In den späten 80er und frühen 90er Jahren sollte es für ihn dank konstant guter Spielzeiten noch eine Klasse höher gehen. Da heuerte Wenninger in der damals drittklassigen Oberliga Hessen bei der SG Egelsbach an. Als sein Vertrag bei den Südhessen auslief, ging Wenninger zur TSG 51 zurück, wo er nach einigen Jahren seine Karriere eigentlich schon beendet hatte. Bis vor etwa fünf Jahren der damalige Spielertrainer Christian Balzer an ihn herantrat und Wenninger im Alter von 54 Jahren für vier Spiele reaktivierte. Danach fungierte er immer öfter als Torwart in der Reserve und als Ersatztormann in der "Ersten". Auch als die 51er zeitweise mit Voigt und Gansen gleich zwei überragende Torhüter hatten, half er immer wieder aus. In dieser Saison ist Wenninger notgedrungen zum Stammtorwart avanciert, weil Walid Yousuf sich verletzt hat. Elf Spiele hat Wenninger schon absolviert und zeigt auch im "hohen Alter" noch gute Leistungen. So hat er kürzlich in Rödelheim wieder einen Elfmeter gehalten. Von den Gegnern bekommt der Methusalem immer wieder Anerkennung und legt die gegnerischen Stürmer zuweilen aufs Kreuz.

"Ein Angreifer der SG Westend wollte mich überlupfen, aber ich bin stehen geblieben und habe den Ball locker gefangen. Der Spieler kam dann nach dem Spiel zu mir und sagte, dass in der Bundesliga die Torhüter sich fallen lassen. Aber ich habe ihm gesagt, dass ich nicht falle", erzählt Wenninger aus dem oft rauhen Kreisoberliga-Alltag. Denn auf seine alten Knochen sich noch auf dem staubigen Hartplatz zu werfen, macht ihm zu schaffen: "Nach dieser Saison ist definitiv Schluss. Montags und Dienstags tut mir nach einem Spiel der Rücken weh", bekräftigt Wenninger. Abtreten möchte der Zerberus aber mit dem Klassenerhalt. Momentan fehlen der TSG 51 vier Punkte zum rettenden Ufer. "Bei uns geht es nur über Kampfkraft, Moral, Mannschaftsgeist, Kampf und Wille. Das zeichnet die Mannschaft neben der Kameradschaft aus. Wir haben hier dennoch viel Potenzial", hofft Wenninger auf den Ligaerhalt.

Autor: Pedro Acebes

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