22.12.2017

torgranate-Analyse: Spvgg. 03 Neu-Isenburg

Neuling steht über dem Strich/Guter Zuschauerschnitt

Neu-Isenburgs Kapitän Marco Betz will am Ende der Saison den Klassenerhalt feiern. Foto: Thomas Zöller

Die Winterpause bietet Zeit zum Reflektieren. Auch bei uns: Wir haben uns die Hessenligisten aus dem Rhein-Main-Gebiet für eine kleine Analyse zur Brust genommen. Heute ist die Spvgg. 03 Neu-Isenburg an der Reihe.

So lief die bisherige Runde:

Als letzter Verein schafften die Hugenottenstädter über die Aufstiegsrunde mit einem 0:0 beim SV Zeilsheim und dem 5:1-Heimsieg über den SSV Sand den Sprung in die Hessenliga. 40 Jahre nach dem Abstieg aus der damals drittklassigen Amateur-Oberliga Hessen kehrte die Mannschaft von Trainer Peter Hoffmann mit einer riesigen Euphoriewelle auf Hessens Oberliga-Bühne zurück und hatte zunächst am ersten und am vierten Spieltag spielfrei. Der 0:2-Niederlage beim TSV Lehnerz folgten dann zwei berauschende Auftritte im 15000 Zuschauer fassenden Sportpark Neu-Isenburg. Der FC Ederbergland wurde mit einem 3:0-Sieg bezwungen, zwei Wochen später die Nordhessen vom FSC Lohfelden sogar mit 6:0 deklassiert. Diese Anfangseuphorie bescherte den 03ern im Offenbacher Westkreis-Derby gegen den SC Hessen Dreieich eine vierstellige Zuschauerzahl (1050). Nach der 0:3-Niederlage gegen den Meister folgten zwei weitere Siege beim SV Steinbach (2:0) und gegen Buchonia Flieden (2:1), die den tollen Start komplettierten.

Der Herbst brachte den Neu-Isenburgern neben fallenden Blättern und Schmuddelwetter auch eine lange Durststrecke von elf Partien ohne Sieg ein, von denen aber auch nur vier verloren wurden. Mit insgesamt sieben Remis in dieser Zeit ernährte sich das Neu-Isenburger Eichhörnchen nur mühsam, es reichte aber stets, um über dem Strich zu bleiben. Nachdem die Hoffmann-Schützlinge beinahe auch gegen Schlusslicht Vellmar verloren hätten, endete die Negativserie mit dem 2:1-Sieg beim direkten Konkurrenten FC Ederbergland. Die letzten beiden Heimspiele gegen Watzenborn-Steinberg und Borussia Fulda fielen den Schneemassen zum Opfer und werden im neuen Jahr nachgeholt. Mit 21 Punkten steht Neu-Isenburg auf dem ersten sicheren Nichtabstiegsplatz, hat aber gegenüber den meisten Konkurrenten zwei oder sogar drei Spiele weniger absolviert.

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Julian Cichutek: Der 23-jährige kam vom Darmstädter Gruppenligisten Rot-Weiß Walldorf in den Sportpark und schlug voll ein. Er eroberte sich einen Stammplatz im linken Mittelfeld, wurde in allen 18 Partien von Trainer Peter Hoffmann eingesetzt und erzielte ein Tor.

Ernad Dananovic: Nicht zu bewerten. Der von der SG Bad Soden aus der Verbandsliga Nord gekommene Mittelfeldspieler kam bis Ende August nicht zum Einsatz und schloss sich folgerichtig dem Süd-Verbandsligisten Türk Gücü Friedberg an, Unter dessen Trainer Mustafa Fil hatte Dananovic beim damaligen Hessenligisten Spvgg. 05 Oberrad gespielt.

Jan Gebhardt: Der langjährige Torjäger von Eintracht Wald-Michelbach hatte großes Verletzungspech. Spielte nur in den ersten beiden Spielen beim TSV Lehnerz (0:2) und beim 3:0-Sieg gegen den FC Ederbergland, wo der Goalgetter ein Tor erzielte. Mit einer Fraktur im rechten Mittelfußknochen fiel der Stürmer bis zur Winterpause aus und ist von daher nicht zu bewerten. Alle Hoffnungen der 03er liegen aber in seiner geplanten Rückkehr Ende Februar.

Clemens Freitag: Der aus der U19 der Offenbacher Kickers gekommene Mittelfeldspieler kam über sieben Kurzeinsätze nicht hinaus. Nur gegen den KSV Baunatal wurde der junge Spieler mehr als 45 Minuten eingesetzt.

Lucien Scheurich: Der 23-jährige kam vom Hessenliga-Absteiger Rot-Weiß Darmstadt. Stand nur in Lehnerz im Kader und zog danach weiter in die Gruppenliga Darmstadt zu Rot-Weiß Walldorf. Totales Missverständnis.

Kevin Arnold: Für ihn reichte es nur zu neun mehr oder weniger kurzen Einsätzen. Der aus der Gruppenliga Ost von Germania Klein-Krotzenburg gekommene Mittelfeldspieler benötigt noch Zeit, um sich an das Hessenliga-Niveau zu gewöhnen.

Kazuki Kamikawa: Der einzige Volltreffer! Der Japaner kam aus der Landesliga Rheinland-Pfalz von der Spvgg. Ingelheim. Zuvor hatte er beim japanischen Klub Basara Mainz gespielt. Trainer Peter Hoffmann schenkte dem schnellen und trickreichen Asiaten in 13 Spielen das Vertrauen und brachte ihn von Anfang an. Insgesamt kam Kamikawa zu 17 Einsätzen.

In Erinnerung bleibt:

Die Euphorie im Sommer mit den beiden Heimsiegen gegen Ederbergland und Lohfelden sowie das vierstellig besuchte Nachbarschaftsderby gegen den SC Hessen Dreieich, welches unter dem Motto "Tradition trifft auf Moderne" stand. Eine Schrecksekunde hatten die Hugenottenstädter auf der Hinfahrt zum SV Steinbach zu überstehen. Durch den Busunfall wurde glücklicherweise niemand verletzt. Die Mannschaft gab am Mühlengrund mit dem 2:0-Sieg die passende Antwort auf dem Platz.

In Erinnerung bleibt auch der einmalige Besuch von Mario Basler im Sportpark als Trainer von Rot-Weiss Frankfurt, der mit dem 3:2-Sieg auch die drei Punkte mitnahm, den 03ern mit 615 Zuschauern aber eine gute Kulisse bescherte. Ebenfalls unvergessen: Der Fehlschuss von Vellmars Tolga Yantut, der in der Nachspielzeit beim Stande von 2:2 einen Elfmeter über das Tor jagte. Und mit dem Zuschauerschnitt können die Neu-Isenburger insgesamt zufrieden sein. 362 Besucher im Schnitt macht Rang sieben in der Zuschauertabelle - noch vor dem SC Hessen Dreieich.

Ausblick:

Für Neu-Isenburg zählt nur der Klassenerhalt und der ist bei 14 noch auszutragenden Spielen durchaus realistisch. Mit den Nachholspielen gegen Watzenborn-Steinberg und Borussia Fulda haben die Hoffmann-Schützlinge noch zwei Joker in der Hinterhand. Darüber hinaus ist das "Spielfrei-Kontingent" ja schon am vierten Spieltag aufgebraucht gewesen. Im Gegensatz zu den anderen Konkurrenten sind die 03er bis Saisonende stetig im Einsatz und können ihr Punktekonto weiter ausbauen. Neu-Isenburg macht momentan das Beste aus den vorhandenen Möglichkeiten und wird sich ein zweites Jahr in der Hessenliga verdienen.

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