18.12.2017

Talentschmieden in nächster Umgebung

VfB Ginsheim profitiert von fünf Leistungszentren / "Enorm familiär"

Artur Lemms Bilanz lässt sich sehen. Foto: Thomas Zöller

Mit dem VfB Ginsheim hat die Hessenliga seit dieser Saison ein völlig neues Gesicht in ihrem Feld mit dabei. Der Neuling schaffte erstmals den Sprung in Hessens Eliteliga, und wer den Club näher beleuchtet, wird feststellen, dass der VfB ein durchaus besonderer Verein ist.

"Wir sind ein reiner Fußballverein und dafür mit knapp 650 Mitgliedern durchaus groß. Gespielt wird in drei Seniorenteams, mit einer AH-Mannschaft und 17 Jugendmannschaften“, erklärt Trainer Artur Lemm.

Mit dem 42-Jährigen ist der Aufschwung der Ginsheimer eng verknüpft. Seit er und sein Kollege Carsten Henning im Juli 2014 das Traineramt im Gespann übernommen haben, geht es steil bergauf. Damals noch Siebter in der Gruppenliga Darmstadt, schaffte man gleich im ersten Jahr – keineswegs fest geplant – die Meisterschaft und nach den Rängen sechs und vier in der Verbandsliga Süd im vergangenen Sommer dann den großen Coup mit dem Sprung in die Hessenliga.

"Das ist der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Damit hatte niemand gerechnet. Zu toppen wäre das Ganze nur noch mit dem Klassenerhalt. Wenn uns das gelingen würde, dann wäre das für uns ein noch größerer Erfolg als der Aufstieg“, erklärt der Trainer.

Fünf Nachwuchsleistungszentren in der Nähe

Lemm selbst kennt die Hessenliga wie seine Westentasche: Als Spieler durchlief er zunächst die gesamte Schule des FSV Mainz 05, spielte dann fünf Jahre auf dem Halberg beim SV Wehen, ehe die Stationen in Würges, Wörsdorf und bei der SG Hoechst folgten. Sein größter sportlicher Erfolg war allerdings die Meisterschaft mit dem 1. FC Eschborn im Jahr 2003, als er und sein damaliges Team unter Ali Reza Marzban in der Hessenliga 34 Spiele ungeschlagen blieben und in die Regionalliga aufstiegen.

In Ginsheim profitiert Lemm nun auch von der geografischen Lage. Nur durch die Weisenauer Brücke getrennt liegt das Sportgelände des VfB lediglich einen Kilometer Luftlinie von Mainz entfernt. "So haben wir in der direkten Umgebung die fünf großen Nachwuchsleistungszentren von Eintracht Frankfurt, Kickers Offenbach, Mainz 05, Darmstadt 98 und des SV Wehen. Dadurch gibt es in der Nähe sehr viele sehr gut ausgebildete Spieler, für die es für ganz oben nicht gereicht hat, die aber allerbeste Strukturen mitbringen“, erklärt Lemm. "Mit gut 22 Jahren im Durchschnitt haben wir daher auch das jüngste Team der Hessenliga.“

Und laut Lemm spielt Ginsheim auch mit dem vielleicht preiswertesten Team der ganzen Klasse: "Der VfB Ginsheim ist ein enorm familiärer Club. Einen großen Sponsor oder Mäzen gibt es hier nicht. Auch keinen Vorstand, der von oben herabschaut. Bei uns sind alle auf Augenhöhe. Anders als bei manchem anderen Verein bekommt bei uns keiner mehr als 200, 300 Euro. Auch wir Trainer erhalten nicht viel mehr. Der Etat bewegt sich noch deutlich im fünfstelligen Bereich – und zwar für den gesamten Seniorenbereich. Der große Vorteil daran ist, dass so gewisse Charaktere von vornherein ausgeschlossen sind.“

"Man bekommt auch mal eins auf die Mütze"

Umso stolzer ist Lemm auf die Erfolge. "In der Liga gibt es Teams, deren Etat fast siebenstellig ist und damit um das 15-fache höher als unserer. Wenn du dann beispielsweise aus Watzenborn ein 0:0 mitbringst, dann ist das ein klasse Ergebnis.“

Seine Mannschaft gehört zu denen, die einen technisch sauberen Fußball spielen wollen. "Und das alles immer sehr offensiv. Das macht allen sehr viel Spaß, aber es kann dann halt auch mal vorkommen, dass man gegen große Kaliber auch mal eins auf die Mütze bekommt. So wie beim 0:7 in Dreieich. Das tut dann weh, ist aber auch nicht schlimm. Wir lernen noch, wie beispielsweise beim 3:3 gegen Lehnerz. Da haben wir 3:0 geführt, sauber Fußball gespielt, haben dann aber für unsere Jugendlichkeit noch teuer bezahlt. Solche Spiele gehören auch dazu.“

Interessant ist auch die Geschichte des Ginsheimer Sportgeländes: Weil der alte Sportplatz einem neuen Baugebiet weichen musste, wurde vor fünf Jahren der "Jugend- und Sportpark Ginsheim“ das neue Wohnzimmer des Clubs: Direkt an der A60 gelegen, entstand ein echtes Schmuckstück mit einem Rasen- und zwei Kunstrasenplätzen (beide mit Flutlicht), Beach-Volleyball-Feld, Laufbahn, zwei Hallen für den Winter und einem nagelneuen Vereinsheim. / kr

Kommentieren

Vermarktung:

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften