13.02.2018

Neu-Isenburg setzt auf Kontinuität

Hessenliga: Doppel-Interview mit Peter Hoffmann und Thomas Stein

Trainer Peter Hoffmann steht seit 2003 in Neu-Isenburg an der Seitenlinie. Foto: Thomas Zöller

Bei Hessenliga-Aufsteiger Spvgg. 03 Neu-Isenburg wird auch in Zukunft auf Kontinuität gesetzt. Trainer Peter Hoffmann und sein Trainerteam haben schon jetzt ihre Zusage für die kommende Saison gegeben. Über die Gründe seiner Vertragsverlängerung und die Zukunftsperspektiven der Hugenottenstädter haben wir mit dem langjährigen Coach sowie mit Präsident Thomas Stein gesprochen, der in Personalunion als Sportlicher Leiter fungiert.

Die Spielvereinigung setzt in der Trainerfrage auf Kontinuität. Können bereits Details verkündet werden?

Thomas Stein: Wir können offiziell verkünden, dass wir mit unserem kompletten Trainerteam verlängert haben. Cheftrainer Peter Hoffmann, Co-Trainer Erdo Arnitali, Torwarttrainer Lino De Pascalis bleiben dem Verein ein weiteres Jahr erhalten. Neu zum Staff hinzu kommt Thomas Betz als Assistenztrainer. Wir sind für die Hessenliga aktuell überragend aufgestellt und das wird auch in der Spielzeit 2018/19 der Fall sein. Wir freuen uns auf die Aufgaben, die vor uns liegen und hoffen, dass wir unsere Ziele erreichen können.

Peter Hoffmann, was war der ausschlaggebende Punkt, um deinen Vertrag um ein weiteres Jahr zu verlängern?

Peter Hoffmann: Das war für mich eine Herzensangelegenheit, weil es sehr ungewöhlich ist, wenn ein Trainer bei einem Amateurverein in sein 16. Jahr geht. Das ist in unserer Region unerreicht. Mir war es immer wichtig, dass eine gewisse Ehrlichkeit im Verein herrscht. Mit Ulli Schmidt und dem ehemaligen Präsidenten Günther Marx war das immer so. Mit Andre Spindler kam jemand hinzu, mit dem ich auch eine Freundschaft aufgebaut habe. Dann ging es nahtlos weiter mit Thomas Stein, der im sportlichen Bereich tätig war, bevor er Präsident wurde. Mit ihm ist ebenfalls eine Freundschaft entstanden in guten wie in schlechten Zeiten. Deswegen müsste ich ja dumm sein, um hier weg zu gehen. Sportlich war es im letzten Jahr mit dem Hessenliga-Aufstieg überragend. Unser Werdegang begann in der A-Klasse 2003 und wir sind 2017 in die Hessenliga gekommen. Dieser durchlaufene Weg ist außergewöhnlich. Die Trainingsbedingungen und das Umfeld stimmen und deswegen macht es weiterhin Spaß.

Wie siehst Du die Chancen auf den Klassenerhalt in der Hessenliga?

Peter Hoffmann: Wir arbeiten daran. Testspielergebnisse sind erstmal zweitrangig. Wir wissen was wir benötigen, um in Lohfelden zum Auftakt bei einem sehr heimstarken Gegner zu bestehen. Wir sind sehr positiv gestimmt, dass wir das schaffen. Ich hoffe, dass wir nicht so mit Verletzungen gebeutelt werden wie in der Vorrunde. Dann haben wir einen absolut spielfähigen Kader, um auch die Klasse bei fünf Absteigern zu halten.

Was zeichnet Peter Hoffmann aus?

Thomas Stein: Peter zeichnet vor allem Zielstrebigkeit aus. Er hat eine hohe Veranlagung um Dinge zu organisieren und eine Mannschaft strukturiert aufzubauen. Spieler zu motivieren und neue erfolgsversprechende Spieler in das Spielsystem einzubinden. Er ist sehr variabel und ein überragender Mensch. Er ist Isenburger durch und durch. Er hat ja auch viele Jahre hier auf hohem Niveau gespielt. Das ist maßgeblich sein Erfolg mit seinem Trainerteam zusammen, dass die 03 unter ihm von der A-Klasse bis in die Hessenliga gegangen ist. Der Aufstieg in die Hessenliga ist der zweitgrößte Erfolg nach der Deutschen Amateurmeisterschaft 1956. Wenn wir diesen Trainer nicht binden würden, dann wären wir bescheuert.

Was würde der Klassenerhalt für den Klub bedeuten?

Stadionsprecher Andre Spindler, Torwarttrainer Lino De Pascalis, Präsident Thomas Stein, Cheftrainer Peter Hoffmann und Co-Trainer Erdo Arnitali (von links) sind weiter ein Team. Foto: Pedro Acebes

Wenn wir im Mai die Liga halten, dann wäre es erneut ein überragender Erfolg für den Klub. Wir wollen Stabilität haben und unseren Weg weiter gehen. Wir sind sicherlich nicht der Verein mit den größten finanziellen Möglichkeiten. Wir können auch mit bescheidenen Mitteln eine Menge erreichen. Einst wollte der SC Freiburg zu den besten 25 Vereinen Deutschlands gehören. Unser Anspruch ist es, zu den besten 25 Vereinen in Hessen zu gehören. Wir wollen in der Hessenliga bleiben, aber wenn wir wieder in die Verbandsliga müssten, wird bei uns die Welt nicht zusammenbrechen. Aber darüber denken wir nicht nach, denn wir haben ein gutes Team zusammen und deswegen freuen wir uns, dass wir gemeinsam ein Jahr weiter gehen und sehen positiv in die Zukunft.

Peter, hättest Du dir damals vorstellen können, so lange zu bleiben und vier Aufstiege zu schaffen?

Peter Hoffmann: Nein, denn 16 Jahre vorauszuschauen kann man im Leben gar nicht. Der Verein lag damals am Boden und hatte keine Gemeinnützigkeit mehr. Es gab 200000 Euro Schulden. Angefangen haben wir mit vier Spielern und einem Satz Trikots. Mein Co-Trainer Erdo Arnitali war von Beginn an dabei und half mir sehr mit der A-Jugend.So haben wir junge Spieler raus bekommen und so haben wir unseren Weg gemacht. Wir haben aber damals nicht gesagt, dass wir in 14 oder 16 Jahren Hessenliga spielen wollen. Ich hatte als Spieler meine schönste Zeit in Neu-Isenburg, obwohl ich drei Jahre höher gespielt habe. Mein Herz war immer in Neu-Isenburg. Es war traurig, dass es sich so entwickelt hat. Ich habe hier Menschen vorgefunden, die ehrlich waren und Ahnung vom Fußball hatten. Andre Spindler und Thomas Stein haben Dinge übernommen, die sie sich nicht erträumt haben. Mit Thomas Stein ging es in noch höhere Ligen und jetzt ist er mittlerweile Präsident. Wir haben eine kleine Gruppe von positiven Bekloppten, die den Laden zusammen halten und deswegen gab es keinen Grund für mich, hier wegzugehen. Solange Neu-Isenburg mich haben will und hier eine sportliche Zukunft zu sehen ist, mache ich weiter.

Vielen Amateurvereinen fehlt ein Stadion. Im Sportpark ist eines vorhanden. Ist das ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz?

Thomas Stein: Wir wären falsch orientiert, wenn wir uns über unsere Anlage beschweren würden. Das ist ein Riesenpfund, mit dem wir wuchern können. Mit unserer Trainingsanlage mit dem Stadion können wir Spieler motivieren. Wir haben mit Jürgen Preller einen überragenden Zeugwart, der hier für alles sorgt. Die Spieler kommen mit dem Kulturbeutel an und werden umsorgt. Die Wäsche wird gemacht und die Trikots hängen in der Kabine. Hier braucht sich ein Spieler um solche Dinge nicht zu kümmern. Im Winter können wir teilweise auf Rasen trainieren, wenn es die Witterung zulässt. Außerdem haben wir einen Kunstrasenplatz zur Verfügung. Im Stadion wurde jetzt eine neue Flutlichtanlage installiert. Herzlichen Dank dafür an die Stadt Neu-Isenburg, die sich darum kümmert, dass wir gute Bedingungen haben. Wir sind ständig im Dialog mit der Stadt und haben zusammen einen Weg gefunden, um das zu verbessern. Die 03er sind ein Aushängeschild für Neu-Isenburg.

Ist der Verein mit dem Zuschauerzuspruch zufrieden?

Thomas Stein: Wir haben schon im Aufstiegsspiel gegen den SSV Sand mit über 900 Zuschauern einen Zuspruch erhalten, den wir so nicht kannten. Ältere Mitglieder haben sich daran erinnert, wie es damals war, als es noch Schwarz-Weiß-Fernseher gab. Schön zu sehen, dass etwas zurückkommt, wenn man engagiert arbeitet. Das Umfeld ist gut aufgestellt und wir sind sehr dankbar, dass wir viele Sponsoren haben. In der Torgranate-Zuschauertabelle stehen wir momentan auf Rang sieben und das sagt einiges aus.

Peter, was ist in der Hessenliga anders als eine Klasse tiefer?

Peter Hoffmann: Wir fühlen uns sehr wohl in der Hessenliga, von daher haben wir keine Lust mehr auf die Verbandsliga. Die Busfahrten schweißen das Team auch zusammen. Der Verein ermöglicht uns vor der Abfahrt ein Frühstück und das motiviert jeden einzelnen von uns.

Autor: Pedro Acebes

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