11.01.2018

Kalbachs Pross erwartet "heißen Kampf um Platz eins“

Gruppenliga Frankfurt West: Defensivmann im Interview

Christopher Pross will mit seinem FC Kalbach aufsteigen. Foto: Jörg Schulz

Trotz nur zweier Niederlagen in 17 Spielen musste der FC Kalbach die Tabellenführung zum Ende der Hinrunde an die Spvgg. Oberrad abgeben. Zwei Punkte beträgt der Rückstand auf den Mitabsteiger. Christopher Pross, der Abwehrspieler vom FC Kalbach, hat für uns die letzten sechs Monate des Clubs zusammengefasst.

Nach einer Zwischenstation beim TuS Merzhausen wechselte Christopher Pross 2015 von seinem Jugendverein FV Bad Vilbel in den Norden Frankfurts zum FC Kalbach. Dort erlebte der linke Defensivakteur in der vergangenen Saison am letzten Spieltag den Abstieg aus der Verbandsliga. Ein halbes Jahr später hat die Truppe in der Gruppenliga Frankfurt West beste Aussichten auf den direkten Wiederaufstieg. Im Interview schätzt der 26-jährige Linksfuß die Stärke der Konkurrenz um die Meisterschaft ein und erklärt, was ein Nichtaufstieg für den Verein bedeuten würde.

Christopher, wie hast du im Sommer nach dem Gang in die Gruppenliga die Veränderungen innerhalb der Mannschaft wahrgenommen?

Zunächst hatten wir den Trainerwechsel, Elton da Costa ist im Sommer neu dazugestoßen. Es gab auch einige Veränderungen in der Mannschaft, wobei der Kern im Grunde geblieben ist. Die Spieler, die noch Verbandsliga Süd-Erfahrungen hatten, sind alle geblieben. Von unseren jungen Spielern, die wir nur ein Jahr gehalten haben, sind viele bei Rot-Weiss II und Vatanspor gelandet. Durch den Abstieg wollten die jungen Spieler natürlich wieder hoch und Verbandsliga-Luft schnuppern. Wir Alteingesessenen wollten natürlich bleiben, weil wir nicht nur auf dem Platz Freunde waren, sondern uns auch außerhalb des Platzes gut verstehen. Als Absteiger möchte man natürlich wieder hoch. Vor allem, wenn man die Mannschaft halten kann und mit Elton noch einen sehr guten Spielertrainer dazubekommt. Da fühlt man sich direkt imstande aufzusteigen, und mit den Erwartungen sind wir auch in die Vorbereitung gestartet.

Mit 59 Toren und 36 Gegentoren bekommen die Zuschauer Treffer am Fließband zu sehen, mit 35 Punkten steht ihr momentan auf dem zweiten Platz. Wie zufrieden seid ihr insgesamt mit eurer Hinrunde?

Wir sind auf jeden Fall zufrieden. Es sieht ganz gut aus soweit und wir haben die Erwartungen bis jetzt eingehalten. Wir würden gerne ganz oben stehen, es wird jetzt noch ein heißer Kampf um Platz eins mit Oberrad und Bornheim. Wir sind auf dem zweiten Platz, haben zwei Punkte weniger als Oberrad, allerdings auch ein Spiel weniger. Wenn wir das gewinnen, sind wir wieder vorne. Von daher kann man glaube ich zufrieden sein. Die Stimmung ist gut, das ist ganz wichtig. Wir verstehen uns im Training, wir verstehen uns auf dem Platz. Klar, man gerät auch mal aneinander, aber ansonsten sind wir alle immer im guten Umgang miteinander.

Das Thema Defensive steht bei uns immer im Raum, in der Offensive sind wir überragend, aber wir kassieren zu viele Tore. Wenn unsere Offensive nicht funktioniert, haben wir da immer Probleme. Wir haben selten Spiele, die wir nur 1:0 oder 2:0 gewinnen, dementsprechend müssen wir daran arbeiten. Das sagt auch der Trainer wiederholt im Training, dass das unser Manko ist. Gerade die Niederlagen waren sehr sinnlos, die hatten wir auch komischerweise immer auf einem Rasenplatz. Vielleicht heißt das, dass wir eine kunstrasenstarke Mannschaft sind. Ich sage, es liegt an der Einstellung – auf dem Rasen hat man mehr Kampf und läuferische Aktivitäten.

Wurden die Trainingsschwerpunkte im Laufe der Hinrunde mehr auf die Defensive gelegt?

Die Trainingsschwerpunkte liegen sowohl in der Offensive als auch in der Defensive, da haben wir eigentlich einen guten Ausgleich. Oft trennt der Trainer allerdings die Defensive von der Offensive und macht reine Defensiv-Übungen, bei denen es um das richtige Verschieben geht. Er lässt oft das Überzahlspiel von der Offensive gegen die Defensive laufen, damit wir lernen, richtig zu verschieben und richtig auf den Mann zu gehen. An die Dreierkette mussten wir uns erstmal gewöhnen, weil wir alle nur Viererkette gewohnt waren. Die Dreierkette ist im Spiel nach vorne relativ offensiv ausgelegt. Wenn in der Defensive alle die Positionen so spielen würden, wie sie es sollen, wären wir auch viel kompakter in der Verteidigung, weil man eine Fünferkette bildet, wenn sich die Flügel zurückziehen. Das klappt leider zu selten, dementsprechend geraten wir in ein Eins gegen Eins, und da passieren individuelle Fehler, oder wir geraten in Unterzahl.

Euer Trainer Elton da Costa legt für gewöhnlich keinen Wert auf eine Gegneranalyse und konzentriert sich in erster Linie auf die eigenen Stärken. Wie ist es innerhalb der Mannschaft?

Da gebe ich dem Trainer Recht. Wir schauen natürlich schon auf die Tabelle, aber auf die Spielweise der Gegner achten wir nicht wirklich. Wie der Trainer sagt: Wir haben eine gewisse Qualität, das wissen wir auch. Und wenn jeder diese Qualität abruft, sollte es machbar sein, jeden Verein schlagen zu können, wenn man diszipliniert an die Sache rangeht. Wir gucken auf uns, und darauf, dass wir unsere Leistung bringen. Wenn wir die erbringen und jeder seinen Job gut macht, dann sind wir imstande, jeden zu schlagen.

Neben euch haben Oberrad, die Speuzer und Bornheim die meisten Punkte gesammelt. Wie schätzt du die drei Mannschaften ein und wer wird deiner Meinung nach der härteste Gegner im Kampf um die Meisterschaft?

Das ist schwierig zu sagen, das sind sehr unterschiedliche Mannschaften. Oberrad ist, was die Defensive angeht, der stärkste Verein mit den wenigsten Gegentoren. Sie sind sehr kompakt und diszipliniert in der Viererkette, sie verstehen sich gut und die Kommunikation stimmt innerhalb der Reihen. Sie schießen nicht allzuviele Tore, aber ein oder zwei Tore reichen bei Oberrad. Ich glaube, dass es ein harter Brocken wird, nochmal gegen die zu bestehen. Bornheim ist auch sehr stark in der Offensive. Sie schießen viele Tore, sind aber inkonstant. Sie haben Spiele, bei denen sie die Gegner mit vielen Toren dominieren, und in anderen Spielen verlieren sie aus dem Nichts. Die Speuzer kamen erst in den letzten Spielen richtig zur Geltung. Ich hatte sie anfangs auch unterschätzt, sie machen viele Tore und haben einen tollen Stürmer. Im Spiel gegen sie mussten wir auch viele Tore schießen, um zu gewinnen.

Am stärksten schätze ich Oberrad ein, aufgrund der Defensive. Wenn die hinten kompakt stehen, wir es nicht schaffen durchzubrechen und Oberrad seine Konter gut ausspielt, kann es durchaus sein, dass wir da verlieren. Aber wenn wir alle unsere Leistung bringen, glaube ich fest dran, dass wir gewinnen.

Nur eine Mannschaft steigt am Ende der Saison sicher auf, eine zweite möglicherweise durch die Aufstiegsrunde. Was würde ein Nichtaufstieg für die Mannschaft und den Verein bedeuten?

Viele erwarten einen Aufstieg, gerade auch bei uns im Vorstand unser Präsident. Die erwarten schon von uns, dass wir aufsteigen. Sie wollen wieder in die Verbandsliga. Unsere zweite Mannschaft schaut auch auf uns. Denn was wäre, wenn die zweite Mannschaft das Potenzial dazu hat aufzusteigen, wir schaffen es aber nicht, und deswegen kann die Zweite nicht hoch? Das wäre natürlich für die zweite Mannschaft enttäuschend. Für uns Spieler, selbst wenn wir den Aufstieg nicht schaffen, bleiben wir, glaube ich, alle zusammen und probieren es nächstes Jahr wieder. Die Enttäuschung wäre nicht allzu groß, wenn wir es nicht schaffen. Klar, man hat immer eine gewisse Enttäuschung, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden, aber dann muss man eben nächstes Jahr neu angreifen.

In den ersten drei Spielen erwarten euch mit Oberstedten, Hausen und Beienheim drei Gegner, die zwar in der unteren Tabellenhälfte stehen, dementsprechend aber auch auf jeden Punkt angewiesen sind. Ein Vorteil oder ein Nachteil?

Grundsätzlich kann jeder jeden schlagen in der Gruppenliga. Es ist sehr eng und man hat selten Spiele, in denen einer mit 10:0 gewinnt. Auch wenn wir immer viele Tore schießen. Es hängt von der Tagesform, von der Disziplin und der Einstellung ab. Oft neigt man dazu, ein bisschen arrogant zu werden, wenn man oben steht und gegen Mannschaften spielt, die unten in der Tabelle stehen. Dadurch neigen manche Spieler dazu, zu sagen 'wir kriegen das schon irgendwie hin und werden gewinnen'. Dann kommt man mal diesen Schritt zu spät, man kommt nicht richtig ins Spiel rein, die anderen Mannschaften motivieren sich dadurch umso mehr und erobern dadurch immer mehr Spielanteile. Jedes Spiel ist wichtig und jedes Spiel schreibt seine eigenen Geschichten. Mir ist es egal, ob ich gegen Mannschaften von oben oder Mannschaften von unten spiele. Aber wir tendieren dazu, gegen die 'guten' Mannschaften besser zu spielen als gegen die, die weiter unten stehen, weil man sich immer ein bisschen anpasst oder das Ganze auf die leichte Schulter nimmt. Gegen Beienheim haben wir verloren, da haben wir was gutzumachen. Da haben wir schlecht gespielt und unsere Leistung nicht gebracht.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft – spielt Kalbach nächstes Jahr wieder in der Verbandsliga?

Ja.

(sly)

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