02.11.2017

Hoffmann: "Leben ist kein Wunschkonzert"

Hessenliga: Ginsheim empfängt Neu-Isenburg

Patrick Albert (vorne) ist mit Neu-Isenburg über die Aufstiegsrunde in die Hessenliga eingezogen. Foto: Marcel Lorenz

Wenn am 17. Spieltag in der Hessenliga die beiden Aufsteiger aus der Verbandsliga Süd VfB Ginsheim und Spvgg. Neu-Isenburg aufeinandertreffen, werden sofort Erinnerungen aus die vergangenen Saison auf den Plan gerufen. Beide Teams lieferten sich bis zum Schluss einen spannenden Zweikampf um den Meistertitel. Am Samstag Nachmittag dürfte somit auch ein ordentliches Paket an Emotionen mitschwingen.

VfB Ginsheim - Spvgg. Neu-Isenburg (Samstag, 14.30 Uhr)

Am 6. Mai standen sich beide Mannschaften zuletzt in einem Meisterschaftsduell gegenüber, das sich den Namen auch redlich verdient hatte. Damals konnte sich der VfB knapp mit 1:0 durchsetzen und stellte damit die Weichen auf Titelgewinn in der Verbandsliga Süd. Die Neu-Isenburger, die sich damals vorab ausgerechnet hatten, am Muttertag Meister werden zu können, zogen per Nachsitzen als Tabellenzweiter über die Aufstiegsrunde in Hessens Amateur-Oberhaus ein. Derzeit sind beide Teams wieder unmittelbare Tabellennachbarn, allerdings erwartungsgemäß nicht so weit oben. Nach 15 Spielen hat Ginsheim 18 Punkte eingefahren und belegt den elften Rang. Weil der Elf vom Mainspitzdreieck hierzu 16 Treffer genügten, werden sie auch die "Minimalisten der Liga" genannt. Im Hinblick auf den kommenden Samstag verfolgt Ginsheims Trainer Artur Lemm ein klares Ziel: "Wir sollten in der Lage sein, drei Punkte zu holen. Bevor wir in Flieden angetreten sind, haben wir sechsmal hintereinander nicht verloren. Und auch dort haben wir ein williges und giftiges Spiel gemacht und unsere Leistung aus den letzten Wochen bestätigt. Ich fand es superstark, dass meine Jungs auf dem schwierigen Geläuf nicht nur rumgebolzt, sondern unaufhörlich auf spielerische Mittel gesetzt haben. Das werden wir auch weiter tun, auch wenn der Jahreszeit entsprechend die Plätze immer tiefer werden."

Was den 42-jährigen Coach dennoch nervt ist, dass sich "meine Spieler immer wieder naiv verhalten. Zum Beispiel die Gelb-Rote Karte gegen Eray Eren in Flieden, oder aber, wie wir unseren 3:0-Vorsprung in Lehnerz hergeschenkt haben." Obwohl Eren, der im zentralen Mittelfeld die Fäden zieht, wegen der Ampelkarte nicht auflaufen wird, steht den Ginsheimern wieder der stellvertretende Kapitän Kamil Kwiaton zur Verfügung, auf den der VfB in den letzten Wochen urlaubs- und krankheitsbedingt nicht zurückgreifen konnte. Für Lemm ist Neu-Isenburg keine Wundertüte: "Wir kennen die Mannschaft ja schon länger. Die entscheidenden Protagonisten wie Peter Hoffmann, Marco Betz und andere sind ja noch die gleichen. Einen faden Beigeschmack gibt es für mich im Vorfeld nur, weil eine Spielverlegungsanfrage von uns auf Freitag oder Sonntag erst kein Problem, dann aber doch nicht darstellbar war. Wir hätten so nicht reagiert."

Neues Spiel - neues Glück

Mit dem ersten Nicht-Abstiegsplatz liegen die Neu-Isenburger einen Punkt hinter Ginsheim, haben aber auch ein Spiel weniger auf dem Konto. Dreimal ging die Hoffmann-Elf bis jetzt als Sieger vom Platz, und fünfmal reichte es zu einem Unentschieden. Der letzte Sieg liegt allerdings mit dem 2:1-Sieg gegen Buchonia Flieden - datiert vom 15. September - schon eine ganze Weile zurück. Höchste Zeit also für die Spielvereinigung, wieder einen Dreier anzupeilen. Außerdem könnten sich die Hugenottenstädter mit einem Sieg für die letzte Niederlage im direkten Duell revanchieren: "Mit einem Punkt wären wir zufrieden. Das wird eine sehr schwere Partie werden. Ich rechne mit einem 50:50-Spiel. Jetzt gibt es natürlich eine ganz andere Konstellation als im letzten Jahr. Das Ziel lautet für beide Mannschaften, nicht abzusteigen", betont Neu-Isenburgs Trainer Peter Hoffmann.

Dass der letzte Sieg schon ein paar Wochen zurückliegt, bringt Hoffmann nicht aus der Ruhe: "Für uns ist das nicht unnormal. Wir müssen die Punkte nach und nach über die gesamte Saison einsammeln." Schon mehr Kopfzerbrechen bereitet dem 51-Jährigen der verletzungsbedingte Zerfall seiner Offensive: "Johannes Günther musste in Fulda schon nach fünf Minuten mit einem Muskelfaserriss vom Platz. Nach Aljoscha Atzberger und Jan Gebhardt ist das jetzt schon der dritte Top-Stürmer, der uns ausfällt. Das lässt sich nicht ohne weiteres kompensieren. Wir müssen mehr denn je als Mannschaft auffallen. Ein Traum wäre es, wenn wir aus den nächsten beiden Spielen gegen Ginsheim und Vellmar mit vier Punkten rausgehen könnten. Das Leben ist aber kein Wunschkonzert", bleibt Hoffmann realistisch.

Autor: Christoph Wess

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