14.12.2017

Ein Verein mit ruhmreicher Vergangenheit

Hessenliga: Spvgg. 03 Neu-Isenburg war 1956 sogar deutscher Amateurmeister

Peter Hoffmann ist auch nach 15 Jahren noch kein bisschen müde. Foto: Rita Hartenfelser

Wenn am letzten Sonntag die Spvgg. Neu-Isenburg und Borussia Fulda in der Hessenliga gegeneinander gespielt hätten, dann wäre das ein Spiel mit ganz viel Tradition gewesen. Beide Vereine haben eine ziemlich identische Vita.

Die größten Zeiten erlebte die Spvgg. Mitte der 1950er-Jahre: 1956 wurde der Verein deutsche Amateurmeister. Vor 45000 Zuschauern besiegte man in Berlin den VfB Speldorf im Endspiel. Von 1956 bis 1962 spielte Neu-Isenburg in der zweiten Liga Süd. Immer wieder kreuzten sich in dieser Zeit auch die Wege mit Borussia Fulda. So in der Saison 1952/1953, als die Borussia Meister der ersten Amateurliga (heutige Hessenliga) wurde und Neu-Isenburg als Zweiter direkt dahinter durchs Ziel ging. Mehrfach trafen sich beide Clubs später in der zweiten Liga Süd, aber genauso stürzten beide auch immer wieder ab.

In Neu-Isenburg ist es noch gar nicht so lange her, da schien der Verein völlig am Ende. 2003 war der Verein bis in die A-Liga Offenbach/West durchgereicht worden. Dazu war der finanzielle Kollaps ob eines sechsstelligen Schuldenberges fast unumgänglich.

Dass heute im Sportpark die Lichter wieder heller leuchten, das hat der Verein einzig und alleine einer Hand voll Männer zu verdanken, die dem Untergang nicht tatenlos zusehen wollten. 2001 übernahmen Günther Marx als Präsident und Ulrich Schmidt als Finanzvorstand die Leitung. Drei Abstiege am Stück konnte das Duo zwar nicht verhindern, doch es gelang, den Club auf gesündere Füße zu stellen. 2003 kam dann Peter Hoffmann dazu. Der ist heute bereits im 15. Jahr als Trainer in Neu-Isenburg tätig. Unter Hoffmann wurde der Club drei Mal Meister und stieg ein viertes Mal über die Relegation auf.

Bis heute hat das Trio sein Engagement nicht aufgegeben und da man zudem mit Thomas Stein einen vierten starken Mann (zunächst als sportlicher Leiter, seit Juli diesen Jahres dann als Vorsitzender) dazu bekam, ist die Spvgg. Neu-Isenburg wieder stark aufgestellt.

"In den letzten 17, 18 Jahren hat man hier wieder alles ins Lot gebracht. Ein Vorteil war dabei bestimmt auch, dass wir ausschließlich Fußball spielen und keine weiteren Abteilungen haben. Jetzt sind wir dran, dass wir die Jugend für die Zukunft noch besser aufstellen“, erklärt Trainer Hoffmann, der als Aktiver selbst in der Hessenliga (damals noch dritthöchste Liga) für Viktoria Sindlingen und die SG Hoechst spielte.

15 Jahre im Verein und noch kein bisschen müde

18 Jugendteams in allen Altersklasse gibt es mittlerweile wieder. "Gerne würden wir aber die A-Junioren noch aus der Gruppenliga in die Verbandsliga nach oben bekommen, damit der Sprung für den Nachwuchs in Zukunft nicht mehr ganz so groß ist“, erklärt der Trainer, der Neu-Isenburg seine „Heimat“ nennt und ehrlich sagt: „Als der Verein am Boden lag, haben viele über mögliches helfen geredet. Aber man musste ja auch was tun und anpacken.“

Auch nach 15 Jahren ist Hoffmann noch kein bisschen müde. "Es gibt doch nichts schöneres, als eine willige Mannschaft zu trainieren“, lacht der Coach, um dennoch auch nachdenklich zu werden. „Wenn es uns wirklich gelingen würde, dass wir die Klasse halten, dann wäre das aus meiner Sicht ein noch größerer Erfolg, als der Aufstieg in die Hessenliga. Das würde über allem stehen. Sollte das gelingen, dann würde es vielleicht doch Sinn machen zu überlegen, ob es noch weiter nach vorne gehen kann, oder ob dann der Zeitpunkt gekommen ist zu sagen, dass man vielleicht doch aufhören sollte. Denn eines ist auch klar: Mittel- oder langfristig wird es für einen Verein wie uns schwer sein gegen Teams wie unseren Nachbarn Dreieich, der finanziell nunmal ganz andere Voraussetzungen hat als wir.“

Ein Grund dennoch weiter zu bleiben dürfte aber schon die herausragende Anlage im Neu-Isenburger Sportpark sein, die ihres gleichen sucht. Vier (!) Rasenplätze, ein Kunstrasen, ein Stadion, dazu zwei E-Jugend-Plätze und sämtliche Plätze ausgestattet mit Flutlicht sorgen für herausragende Verhältnisse. "Das ist schon professionell, was wir hier an Gegebenheiten haben. Ich kennen nicht viele Anlagen, die genauso hervorragend ausgestattet sind“, so Hoffmann, der auch in Sachen Zuschauerresonanz einen deutlichen Zuwachs ausgemacht hat. „Die Heimspiele gegen Lehnerz und Vellmar muss man ausnehmen, denn da war wegen des schlechten Wetters nicht so viel los. Das war dann schon nur noch auf Verbandsliga-Niveau. Aber ansonsten ist das Interesse in den letzten Jahren wieder deutlich mehr geworden. Damit können wir leben.“ / kr

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