13.11.2017

Alex Scholz und sein Parade-Timing

Verbandsliga Mitte: Hosen-Ritual als Glücksbringer

Alex Scholz jubelte als Erster und Letzter. Foto: Marcel Lorenz

Am Freitagabend hat Alex Scholz vom Mitte-Verbandsligisten FC Eddersheim beim 5:1-Sieg gegen die SG Oberliederbach außerordentlich von sich Reden gemacht. Nicht nur, dass der Stürmer bereits nach zehn Sekunden den Führungstreffer erzielte. Auch mit dem Schlusspfiff hat er sich noch einmal in die Torschützenliste eingetragen. Für ein Punktspiel ab Höhe Verbandsliga dürften die Tore in zeitlicher Kombination gesehen hohen Seltenheitswert haben.

Zu den beiden Aktionen hat Alex Scholz sogar noch plausible Erklärungen parat: "Normal spielen wir nach dem Anpfiff erst einmal auf "Ball halten". Wir wollten aber diesmal den Gegner überraschen. Das Tor vom Mittelpunkt weg beim Anpfiff war ernsthaft geplant. Turgay Akbulut sollte den Ball auf Patrick Hilser schlagen und der zu mir verlängern. Aber der Ball kam direkt zu mir und nach einem Zweikampf habe ich ihn dann reingemacht", beschreibt Scholz noch einmal die Situation und gibt dabei zu, dass "wir damit nicht gerechnet hatten, dass es klappt." Die Begründung für sein zweites Tor mit dem Schlusspfiff fiel dann schon augenzwinkernd deutlich knapper aus: "Daran merkt man, dass ich Ausdauer habe."

Seine Jugendzeit verbrachte Scholz beim SV Kriftel, um dann zu den Senioren zum SV Zeilsheim zu wechseln. Danach machte der 22-Jährige zum ersten Mal die Bekanntschaft mit seinem jetzigen Coach Rouven Leopold, der bei seinem Wechsel zum 1. FC Eschborn das Traineramt besetzte. "Er hat es schon in Eschborn geschafft, aus mehreren Einzelspielern ein Team zu formen. Das macht ihn aus. In Eddersheim läuft auch jeder für den anderen."

In Eddersheim spielt Scholz seit dieser Saison und kam im Sommer vom Hessenliga-Absteiger Viktoria Kelsterbach: "In Kelsterbach habe ich in 22 Spielen nur zwei Tore geschossen. Das ist für einen Stürmer nicht wirklich gut. Hier in Eddersheim ist es für mich als Neuzugang viel leichter, weil es läuft. Ich fühle mich hier sehr wohl. Erfolg macht eben immer glücklich. Die Stimmung im Verein ist hier grundsätzlich schon gut, wenn man das Sportgelände betritt. So was habe ich noch nie erlebt. Das ist ein geschlossener Kreis und mit anderen Vereinen wird sich garnicht befasst."

"Bin eher Kämpfertyp statt Filigrantechniker"

Der Auszubildende im Groß- und Außenhandel verrät, dass er seit dem Spiel gegen den SV Zeilsheim ausschließlich mit kurzen Hosen aufgelaufen ist: "Das habe ich nach unserem Sieg gegen Zeilsheim so angefangen. Seitdem sind wir elfmal ungeschlagen. Egal wie kalt es noch wird, es bleibt bei den kurzen Hosen, solange wir nicht verlieren."

Beim Neu-Einsteiger und dem aktuellen Tabellenführer der Verbandsliga Mitte gibt es noch andere Rituale. Neben dem Musik hören vor und nach dem Spiel in der Kabine, bilden die Startelf, die Auswechselspieler und die Verletzten in zivil gemeinsam einen Kreisel vor und nach jedem Spiel: "Das dürfte eindeutig die Handschrift von Rouven Leopold sein. Ich glaube nicht, dass es das so schon früher in Eddersheim gab", vermutet Scholz.

Am kommenden Mittwoch Abend steht sowohl für den Verein als auch für Scholz ein größeres Event an, wenn sich der SC Hessen Dreieich in der Mönchhofstraße die Ehre gibt und die Glocken zum Hessenpokal-Viertelfinalspiel geläutet werden: "Der Verein freut sich sehr darauf und es wird schon längere Zeit dafür geplant. Ich fiebere dem Spiel auch schon entgegen und erwarte viele Zuschauer. Wir gewinnen das Spiel 3:2 in der regulären Spielzeit", legt sich Scholz fest, dessen Vorbild Jamie Vardy von Leicester City aus der englischen Premiere League ist, weil "ich wie der kein Filigrantechniker, sondern eher ein Kämpfertyp bin."

Autor: Christoph Wess

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